Betriebspraktikum in Frankreich
Schüler des GyGo absolvieren seit über 20 Jahren das Betriebspraktikum
der 10. Klassen im französischsprachigen Ausland, die meisten von ihnen
in Dijon. Es sind Praktika in (fast) allen Bereichen möglich und Kosten
entstehen, außer den Fahrtkosten, keine. Der Aufenthalt in Dijon ist
als Austausch mit dem Lycée Européen Charles de Gaulle in Dijon
organisiert, d.h. genauso kommen seit über 20 Jahren Schüler aus Dijon
nach Mainz, um die deutsche Berufswelt kennenzulernen.
Es existieren zwei Modelle, wie ein Betriebspraktikum im französischsprachigen Ausland organisiert sein kann:
A) individuell organisiertes Praktikum
In
diesem Fall sucht der Schüler selbst, in der Regel über persönliche
Kontakte, eine Praktikumsstelle. Aufgrund der strengeren französischen
Gesetzeslage bedarf es dann eines offiziellen Praktikumsvertrages
zwischen dem GyGo und dem Betrieb, den wir dann ausstellen. Um die
Unterkunft muss sich der Schüler selbst kümmern, wie auch keine
pädagogische Betreuung vor Ort möglich ist.
Pro Jahr entscheiden sich ein bis zwei Schüler für ein derartiges Praktikum.
Hier ein Muster unseres Praktikumsvertrages
B) Auslandspraktikum in Dijon
"Dijon und sich selbst ganz neu kennenlernen" (Amrei Czysz, Dijon 2009)
WOZU denn das?
Abenteuer
Alltag erleben! Den Alltag auf dem Weg zur Arbeit, den Alltag in einem
Betrieb, den Alltag des Austauschpartners und seiner Familie ….
Die
Schüler wenden ihr Französisch in der Realität an, sie sprechen
Französisch, weil es ganz normal ist. Sie lernen nicht nur die ihnen
bisher fremde Berufswelt kennen, sondern die in einem anderen Land; und
dabei entdecken sie viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede
zwischen der deutschen und der französischen Kultur. Dadurch, dass wir
die Praktikumsbetriebe sorgfältig aussuchen und viele von ihnen schon
etliche deutsche Schüler aufgenommen haben, stellen wir sicher, dass
die Schüler gastfreundlich empfangen werden und gut aufgenommen und
integriert werden.
In der bilingualen Abteilung versuchen wir
den Schülern, Frankreich auf vielfältige Weise nahezubringen, beim
Betriebspraktikum in Dijon machen wir es möglich, dass man zwei Wochen
lang (fast) als Franzose unter Franzosen lebt und arbeitet.
"Es ist ein schönes Gefühl, wenn man merkt, dass man nicht umsonst sechs Jahre im Französischunterricht gesessen hat" (Rebecca Bender, Dijon 2009)
WER hat dieses Programm begründet und wer organisiert es heute?
Als vor über 20 Jahren das Lycée Européen Charles de Gaulle
in Dijon gegründet wurde, entstand aus der Partnerschaft
Rheinland-Pfalz-Burgund und der Städtepartnerschaft Mainz – Dijon die
Idee, einen Betriebspraktikantenaustausch zu etablieren. Das Lycée
Européen Charles de Gaulle bietet seit der Gründung eine bilinguale
Sektion an und seit einiger Zeit auch das AbiBac.
Dieser Austausch ist quasi der kleine Bruder der Praktikantenbörse des Hauses Burgund hier in Mainz bzw. der Maison de Rhénanie-Palatinat in Dijon. Er teilt die Ziele und Absichten des Partnerschaftsverbandes Rheinland-Pfalz / Burgund.
Seitens
des GyGo war die „Gründungsmutter“ Gisela Bader, das Programm wurde
dann über Jahre von Francoise Sauer weiterentwickelt und Jahr um Jahr
erfolgreich den Schülern nahegebracht. Seit 2007 wird der Austausch von
Alexander Schröer betreut. In Dijon engagiert sich seit Jahren
Madeleine Bastick für das Weiterleben dieses erfolgreichen Programms.
Es
sind also alleine die beiden Schulen, konkret die beiden
verantwortlichen Lehrkräfte, die den Praktikantenaustausch organisieren.
Der konkrete Ablauf sieht wie folgt aus:
| Nov / Dez |
Information der Schüler und Einreichen der Anmeldebögen Anmeldeformular_Dijon.pdf |
| ab Jan |
Bewerbungen der Schüler bei den Betrieben bzw. Suche nach geeigneten Betrieben |
| Sep |
Zuteilung der Austauschpartner |
| Okt |
Praktikum in Dijon |
| Feb |
Praktikum der französischen Schüler in Mainz |
Das GyGo schließt mit dem französischen Betrieb einen Praktikumsvertrag ab,
der alle Fragen regelt. Die An- und Abreise organisieren die Schüler
bzw. ihre Eltern selbst. Die Schüler werden in Dijon am Bahnhof von
ihren Austauschpartnern in Empfang genommen.
In Dijon werden die Schüler von der zuständigen Kollegin des Lycée Européen Charles de Gaulle betreut.
WELCHE BETRIEBE sind beteiligt?
Wir,
d.h. die organisierenden Lehrer in Mainz und Dijon, versuchen, die
Wünsche der Schüler hinsichtlich der Branchen zu berücksichtigen.
Teilweise aus rechtlichen, teilweise aus praktischen Gründen sind
Praktika in einigen Branchen schwer bis überhaupt nicht realisierbar
(Humanmedizin, Gerichte u.ä.). Die Liste der Betriebe und
Einrichtungen, in denen schon Schüler waren, ist weit gefächert:
Liste der Praktikumsplätze in Dijon seit 2007
| Interessenvertretung behinderter Menschen | Association des Paralysés de France |
| deutsches Kulturzentrum | Maison de Rhénanie-Palatinat |
| Theater | Théâtre de Bourgogne |
| PC-und Hardwareservice | Distrimatic |
| Bäckerei | Boulangerie Carlen |
| Landschaftsgärtner | Régis Favel |
| Tierarzt | Clinique Vétérinaire Mansart |
| Flughafen | Aéroport de Dijon |
| Lokalradio | Radio catholique de France Dijon |
| Campusradio | Radio Dijon Campus |
| Regionalradio | France Bleu Bourgogne |
| Fernsehen | France Télévisions – Pôle France 3 BFC |
| Stadtbibliothek | Bibliothèque Municipale |
| Grundschulen | Ecole d’application du Nord |
| Ecole primaire Larrey | |
| Kindergarten | Ecole maternelle Charles Baudelaire |
Die
Schüler sind in der Familie ihres Austauschschülers untergebracht. Da
manche Schüler aus bis zu 150km Entfernung kommen, um die Angebote des
Lycée Européen Charles de Gaulle wahrnehmen zu können, sind in diesem
Fall die deutschen Schülern mit ihren französischen Partnern unter der
Woche im Internat der Schule untergebracht und verbringen das
Wochenende in den Gastfamilien. Je nachdem, wo sich der
Praktikumsbetrieb befindet, essen die Schüler in der Schulkantine zu
Mittag und falls der Praktikumsbetrieb einen Ruhetag pro Woche hat,
begleiten die deutschen Schüler ihre französischen Partner dann in den
Unterricht.
WAS kostet es und wie sieht es mit Versicherungen aus?
Da
alles als Austausch organisiert ist und die Organisation in den Händen
der Schule liegt, fallen keine Kosten an, außer den Fahrtkosten und
einem etwas erhöhten Taschengeld. Die Schüler sind in der Zeit
versicherungstechnisch weiterhin Schüler des GyGo, das Praktikum ist
eine Schulveranstaltung, jedoch nicht die Freizeit.
C) Erfahrungsberichte von Schülern
Allein unter Franzosen und nicht verloren:
„Ich
stand im Bus – und ich habe gleich den richtigen genommen! – und da kam
eine Frau und hat mich was gefragt wegen des Busses. Ich hab sie
verstanden! Und konnte ihr antworten! Und sie hat mich verstanden!“ (Theresa Simon, Dijon 2007)
Die
Schüler verfassen einen sechs- bis achtseitigen Praktikumsbericht auf
Französisch, in dem sie ihre Erwartungen, den Ablauf und ihr Fazit
darstellen. Das Unternehmen muss auch vorgestellt werden, und wenn
möglich Arbeitsproben beigefügt werden. So sind sie gehalten, sich
eingehend mit dem Betrieb zu beschäftigen.
Robin Himmels, Oktober 2007: Radio Campus
Stellvertretend für andere hier seine Einleitung,
in der er seine Erwartungen darlegt und zeigt, dass Auslandsaufenthalte
generell gelassen machen (er hatte schon ein Jahr am Lycée français de
Londres verbracht).
Robin hat in seinem Praktikum gelernt, wie
durch geschicktes Schneiden einer interviewten Person das Gegenteil von
dem, was sie gesagt hat, in den Mund gelegt werden kann. In dieser kurzen Aufnahme erklärt er dies und noch andere Tricks.
Stellvertretend für viele Berichte hier ihre Zusammenfassung, die zeigt, wie wohl sie sich gefühlt hat und wie förderlich in vielen Bereichen das Praktikum für Lisa war.
Ein Betriebspraktikum kann ja durchaus auch das Ergebnis haben, dass man merkt, dass der Traumberuf kein realistisches Ziel ist:
"Pendant
ces deux semaines, j’ai obtenu un très bon aperçu du travail d’un
vétérinaire. Et j’ai remarqué que cette profession, même si j’ai aimé
les deux semaines, n' est pas pour moi. Une des raisons est que je
tombe malade lorsque je vois du sang et une autre est que je ne peux
pas voir toutes ces opérations.
Et grâce à ce stage à Dijon,
mes connaissances de la langue française se sont améliorées. Mais je
regrette une chose : ce stage n'a duré que deux courtes semaines ! "
Amrei hatte sich für ihr Praktikum ein journalistisches Projekt vorgenommen, nämlich einen Bericht über die Praktika der Mitschüler zu verfassen. Er wurde dann auch von der Mainzer Rheinzeitung am 13.11.2009 veröffentlicht.
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